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Ab heute fahre ich einen Oldtimer – kurzer Rückblick nach 30 Jahren

26. September 2026.

Ab heute fahre ich einen Oldtimer.
Nun ja, ich fahre den Polo bereits seit 30 Jahren, aber erst ab heute, 30 Jahre nach Erstzulassung auf mich, ist es ein Oldtimer.
Und ich bin stolz darauf, ihn selbst von neu zum Oldtimer gefahren zu haben.
Km-Stand nach 30 Jahren: ~256 tkm.


Fahrgnügen

In den ersten Jahren wurde Freitags nach der Handwäsche sehr oft einfach nur drauf los gefahren, ohne Ziel, nur des Fahrens wegen.
Rumcruisen halt, als junger Mensch die Freiheit spüren.
Navi? Das war noch nicht massentauglich.
Alleine da kamen schon einige 10tkm zusammen.

Treffeninfos gab’s in den einschlägigen Tuningzeitschriften, von denen ich monatlich eine Menge kaufte.
Internet?, das hatten noch die wenigsten.
Mein erstes VW/Polo Treffen war 1998.
Ab 1999 war ich mit dem PDTE, dem Polo Derby Team-Essen, unzählige Male auf Treffen unterwegs.
Ab 2000 ging es dann insgesamt zwölf mal zum Wörthersee, zehn mal davon mit einem passenden Heckscheibenaufkleber, manchmal mit Bezug auf aktuelle Zeitgeschehnisse.

Als ich 2004 vom niederlänischen Alex und seiner Conny zum ersten mal nach England zur zweiten polo show (ab 2015 in polo social umbenannt) vom britischen ClubPolo mitgenommen wurde, fand ich das so außergewöhnlich, dass ich ab dem Folgejahr jährlich dort hin fuhr. Meistens fuhr ich alleine, ab und zu auch mit Rene (2006, 2007, 2014) oder mit MailmanG40 (2013).
Es ist eine komplett andere Welt. Von zuhause geht es durch die Niederlande und Belgien nach Frankreich in den Fährhafen, meistens Calais.
Dort angekommen schnuppert man schon Seeluft und hört die Möven sowie fast nur noch englisch und französisch sprechende Leute. Da bekommt man schon Urlaubsfeeling.
Dann die Fähre mit der Überfahrt als kleines Erlebnis, drüben dann eine andere Sprache, anderes Zahlungsmittel, andere Straßenseite zum Fahren, andere Mentalität…

(Bild: polo show 2006, England\Northampton\Billing Aquadrome)

Das Smartphone war noch garnicht erfunden, was hatten wir bloß mit der ganzen freien Zeit gemacht? Uns gelangweilt, oder uns mit anderen Leuten unterhalten? Ich habe keine Ahnung, das ist alles so lange her.
Doch, wir führten Benzingespräche mit gleichgesinnten.
Wir hatten entweder direkt Strom vom Platz bekommen, oder der ClubPolo hatte einen Generator organisiert, damit wir unsere Kühlboxen und Wasserkocher betreiben konnten. Heutzutage ist Power für’s Smartphone und eine ausreichende Netzabdeckung wichtiger als alles andere.
So ändern sich die Zeiten.


Internet

(dieser Punkt gehört dazu, sofern der Polo nicht nur ein reines Fortbewegungsmittel ist)

Alte und neue ZE? Hä? Was?
Da ich im Jahr 2000 keinen eigenen Computer mit Internet hatte, saß ich anfangs oft im Internetcafe, nur um mir mit dem echten Napster Musik zu saugen, und vor Ort noch auf CD zu brennen.
Dann kam das erste eigene Postfach und das sonstige Internet dazu, kurz danach auch der erste eigene Win98 Rechner mit 56k Modem, das übliche eben.
Ich surfte auf den ersten privaten Polohomepages und den ersten Poloforen.
Da wir in der Familie meinen 6N1 mit alter ZE, und Schwesters Polo mit neuer ZE (heute mein Alltagspolo) hatten, saß ich mit „So wird’s gemacht„, „Jetzt helfe ich mir selbst“ sowie der „Reparaturanleitung“ im Internetcafe in Vorvorgängerforen von polofans, und versuchte mitzuhelfen anderer Polo 6N1 Fahrer Probleme zu lösen und Fragen zu beantworten.
Da ich bis dato schon des Öfteren bei beiden Polos an der Elektrik zu Gange war, wusste ich schon um die beiden verschiedenen Zentralelektriken und welche anderen Änderungen bzw. Unterschiede diese mit sich brachten.
Ich kann behaupten die Begrifflichkeiten „alte ZE“ und „neue ZE“ beim Polo vor über 25 Jahren in Internetforen mit aufkommen gelassen zu haben.
Erkläre das mal jemandem der damals in seinen 95er einen 98er Tacho Plug&Play einbauen will, dass das nicht so einfach geht.

Durch die ersten Foren, wie bereits erwähnt z.B. polofans, gab es auch bei uns im Ruhrgebiet eine immer weiter wachsende Community, obwohl dieser Begriff damals unbekannt war.
Für freitags abends verabredeten sich in den Foren ganze Gruppen von Polofahrern jeder Pologeneration, um sich dann meistens bei D&W in Bochum an der A40 oder auf einem Parkplatz im Ruhrpark in Bochum zu treffen.
Es gab auch das ein oder andere größere Forumstreffen, hier 2002 am Nürburgring.

Immer mehr Leute hatten ihre eigene kleine Polohomepage, wie zum Beispiel der Sven aus Dortmund, der seine eigene Homepage polo4-tuning.de auf seinem Rechner im heimischen Keller hostete.
2002 fing ich dann mit der ersten meiner heute neun Domains nnnnnn.de (=6n) an, die anderen Domains kamen mit den Jahren hinzu. Immer wenn sich jemand mit eine namenhaften Polodomain aus der Szene verabschiedete, frug ich, und musste entweder ein paar Mark, später Euro, Ablöse zahlen, oder bekam die Domain geschenkt.
So wuchs meine Homepage, die zwar grafisch zu wünschen übrig lässt, aber mir ging und geht es auch nur um den Inhalt, heutzutage sagt man Content.
Später kamen die vier Blogs für mich, Rene, Marc und den Jochi dazu.
Aktuell bleibt die statische Homepage wie sie ist, daran mache ich nichts mehr, eventuell mal aufräumen.
Neuen Inhalt bekommt nur noch dieser Blog hier.

Ich hatte durch das Internet und die Poloforen eine ganze Menge an Polofahrerbekanntschaften, aber es liegt in der Natur der Sache, dass die Menge mit den Jahren immer kleiner wird, und ich mittlerweile nur noch mit einem Bruchteil davon Kontakt habe.

Dann kam bekanntlich Facebook und Instra und das ganze Social Zeugs, aus Foren wurden Desinformationsforen, die Leute posteten und zeigten ihre vermeintlichen Schmuckstücke nur noch auf Social Media, und hörten u.a. auch auf, zu Polo- und VW-Treffen zu fahren.
So ändern sich die Zeiten.


Zugfahrzeug

Weil ich jedes Jahr immer nur einen Tag vor dem polo social anreiste, und einen Tag nach dem Treffen wieder abreiste, hatte ich spätestens beim Auf- und Abbau des Zeltes bei Wind und Regen beim polo social 2017 endgültig die Schnauze voll, so dass ich danach zuhause ersthaft über einen Wohnwagen nachdachte.

Dass der Polo sich als Zugfahrzeug für längere Strecken eignet, wusste ich bereits seit einem Forumstreffen 2002, als ich nach einem Schaden an seinem G-Lader den Polo 2F von MailManG40 mit der Abschleppstange vom Nürburgring nach Mülheim an der Ruhr zog. 😉

(Bild: 2002, grimmiger MailManG40)

Den Wohnwagen hingegen zog ich knapp einen Monat nach dem polo soial 2017 erfolgreich zum ersten von drei Polotreffen HH an die Elbe, im Folgejahr zum Polotreffen nach Dänemark, und natürlich nach England zu weiteren Polotreffen.
Und da ich jetzt ohne ein Zelt viel flexibler war, wollte ich auch mehr von England sehen als nur den Weg vom Dover Fährhafen nach Northampton und zurück.

So bereiste ich mittleweile mit dem kleinen Wohnwagen am Haken
in 2018 knapp fünf Wochen lang Schottland und Südengland um das polo social herum,

(Bild: 2018, Schottland\John o’Groats)

(Bild: 2018, Schottland\Lairg\A838)

in 2019 knapp vier Wochen lang Südengland, Nordirland und Irland um das polo social herum,

(Bild: 2019, Irland\Achill Island\Cloughmore@Wild Atlantic Way)

in 2022 neun Wochen lang den WildAtlanticWay an der Westküste Irlands und Südengland um das bereits nicht wirklich existente polo social herum,

(Bild: 2022, Irland\Stramore Upper\R254)

(Bild: 2022, Irland\Doolough Valley)

(Bild: 2022, Irland\Moveen East)

(Bild: 2022, Irland\Kinsale\R600, WildAtlanticWay südliches Ende)

sowie in 2025 neun Wochen lang Schottland’s Westküste, innere und äußere Hebriden, sowie weitere schottische Inseln.

(Bild: 2025, Schottland\A82, Highlands)

(Bild: 2025, Schottland\Isle of Skye\A851)

(Bild: 2025, Schottland\Summer Islands Viewpoint)

(Bild: 2025, Schottland\Isle of Lewis\Bhaltos)

(Bild: 2025, Schottland\Isle of Barra\Borve)

(Bild: 2025, Schottland\Isle of Mull\A849)

(Bild: 2025, Schottland\Isle of Mull\Three Lochs Viewpoint)

(Bild: 2025, Schottland\Isle of Arran\North Glen Sannox)

und zudem ziehe ich mit diesem Polo, wechselweise mit meinem Alltagspolo, den Wohnwagen jährlich im Herbst zur Ostsee.


Zuverlässigkeit

Im Stich gelassen hat er mich relativ selten… auf die Laufleistung gesehen.

Erinnern kann ich mich da z.B. an den August 2002 bei 96 tkm, als er kurz aus der Garage gefahren wurde, und für’s Wiederreinfahren der Motor nicht mehr anspringen wollte.
Am nächsten Tag kam der gelbe Engel und versuchte es mit einer Dose Starthilfe, was eine Zerstörung der Luftansaugbrücke durch Explosion nach sich zog. 

Die beiden Hälften waren miteinander verklebt.

Der Polo wurde zu VW geschleppt, dort diagnostizierte man nach dieser Reparatur einen defekten Kühlwassertemperaturgeber (G62), der dem Motorsteuergerät sibirische Temperaturen vorgegaukelt hatte, so dass viel zu fett eingespritzt wurde, und er deswegen nicht anspringen wollte. Nur ein kleines Teil, mit großer Wirkung …

… kurz danach ging auch mal der Zündtrafo kaputt …

… oder als 2003 bei 104 tkm der Motor überhitzte und Kühlwasserdampf aus dem Ausgleichsbehälter strömte, weil der große Kühlkreislauf nicht öffnete auf Grund eines defekten Themostats, bzw. die Brücke (aus Kunststoff) im Flansch, an der der Thermostat sich aufdrückt, war weggebrochen …

… 2011 wurde das Getriebe sehr laut, so mussten im Getriebe Kugellager erneuert werden …

… oder als im Oktober 2021 bei 225 tkm, vorher schon der erste Gang immer schlechter rein ging, ich aber, und ich weiß nicht mehr wieso eigentlich, die Motorlager und Drehmomentstütze, also womit der Motor im Motorraum und am Getriebe aufgehangen und befestigt ist, erneuert hatte, und plötzlich als Nebeneffekt auch der erste Gang wieder flutschte…
Klar, wenn durch gesetzte Motorlager der Motor mit den Jahren immer tiefer hängt, ein schleichender Vorgang …

… natürlich ging auch mal der Zündanlassschalter kaputt, hier der Wechsel bei meinem Alltags Polo 6N1.

… oder im Juli 2022 bei 233 tkm, als ich nach sechs Wochen Anhängerbetrieb auf dem Wild Atlantic Way in Irland, in Südengland, ebenfalls im Anhängerbetrieb, auf dem Weg von einem Campingplatz bei London zum Dorset Volksfest plötzlich auf der M3 (Autobahn, also Standstreifen links) liegen blieb, und nach ein paar Minuten mit einem wie ein Sacke Nüsse laufenen Motor über die A3 (ohne Standstreifen) zum Zielort fuhr, und wegen der niedrigeren Leerlaufdrehzahl (~500 U/min) bei allen Stops erst normal den rechten, und kurz vorm Stillstand den linken Fuß zum Bremsen nehmen musste, damit der rechte Fuß den Motor auf Drehzahl, und somit am Laufen halten konnte.

Der Chris vom britischen AA konnte nach dem Öffnen des noch nie zuvor geöffneten Drosselklappengehäuses keinen Defekt an dieser erkennen, und spannte den Gaszug etwas, damit der Motor überhaupt eine Leerlaufdrehzahl hat, statt auszugehen. Eine neue Drosselklappe war von diesem Dorset Volksfest (VW Treffen) ausrichtenden VW Händler (Breeze Volkswagen) nicht mehr lieferbar, und von Drittanbietern auch nicht auf die Schnelle zu bekommen. Naja für die letzte Woche da unten rumcruisen und dann die Wohndose nach Hause ziehen, hatte das Spannen des Gaszuges völlig ausgereicht.
Zuhause fand ich dann heraus, dass der Leerlaufsteller (ein kleiner Kontakt der dem Mstg die Leerlaufstellung mitteilte) defekt war, eine kleine Kunststoffnase war durch die Zeit und die im Motorraum herrschenden Temperaturen geschmolzen und verlaufen.
(links die geschmolzene Nase, rechts das Ersatzteil einer Spenderdrosselklappe)

Und zudem waren von dem kleinen Stellmotor in der Drosselklappe, der für die Drehzahlanhebung/Drehzahlregelung u.a. bei Kaltstart und Einschalten der Klimaanlage zuständig ist, einfach nur die beiden Kohlebürsten verschlissen. Das erklärte den sporadischen temporären unruhigen Leerlauf, und das damit verbundene Zucken der Drehzahlmessernadel in den sechs Wochen in Irland.

Ich schlachtete eine andere Drosselklappeneinheit, um den defekten Leerlaufschalter meiner originalen DK zu ersetzen, und ich erneuete den Stellmotor gegen einen flatschneuen Stellmotor, damit soviel wie möglich von der originalen Drosselklappeneinheit im Polo verbleibt …

… oder als ich 2023 nach einer nächtlichen Fahrt zur Ostsee im Anhängerbetrieb am Campingplatz ankam, und bis dahin alles gut verlief. Bis ich nach der Ankuft den Wagen erneut startete, und dieser nur auf 2 oder 3 Pötten lief. Mit begrenzen Mitteln fand ich heraus, dass wenn ich vor dem Starten nach längerem Stillstand die Zündung zwei oder drei Mal einschalte bis die Kraftstoffpumpe aufhört zu pumpen, der Motor danach super startet und läuft. So konnte ich mehrere Wochen überbrücken, bis ich wieder zuhause war.
Da fand ich dann raus, dass in den vergangenen 240 tkm eine der In-Tank Kraftstoffleitungen aus Kunststoff innerhalb der Pumpeneinheit ein Mikroloch/-riss hatte, und somit nach dem Abstellen des Motors der Kraftstoff im Kraftstoffkreislauf bis zum Motor in aller Ruhe zurück in den Tank fließen konnte.
Somit stand nach dem üblichen direkten Start nicht genug Kraftstoff zur Verfügung, und der Motor lief nicht auf allen Pötten.
Ich besorgte mir diese beiden In-Tank Kraftstoffleitungen neu, und auch die 241 tkm gelaufene Kraftstoffpumpe selber erneuerte ich innerhalb der In-Tank Pumpeneinheit, damit soviel wie möglich von der originalen Pumpeneinheit im Polo verbleibt …

Das alles oder zumindest Teile davon wird dem ein oder anderen hier lesenden 6N1 Fahrer bekannt vorkommen.
Das sind alles Ausfälle einzeler kleiner Teile, die das komplette Auto lahmlegen können.
Dagegen kann man auch nichts machen.
Ich zumindest hatte nach der dritten Wartung bei VW, alles selber gemacht.
Er bekommt jedes Jahr seinen Ölwechsel mit neuem Ölfilter, neuen Pollenfilter, neuen Luftfilter bzw. der K&N 57i wird gereinigt und neu eingeölt, die Drosselklappe wird demontiert, die Klappe beidseitig gereinigt und nach dem Einbau wieder neu adaptiert, alle auslesbaren Steuergeräte auf gespeicherte Fehler kontrolliert.
Alle paar Jahre bzw. je nach km-Stand bekommt er neue Zündkerzen/Zündtrafo/Zündleitungen, einen neuen Zahnriemen mit neuer Wassepumpe sowie neuer Spannrolle, neuen Keilriemen, neue Bremsflüsigkeit, Bremsenverschleißteile, Radlager etc..
So kann man selber dem Motor die Grundlage für ein langes Leben schaffen.
Denn selbst jetzt mit ~256 tkm schnurrt er wie ein Kätzchen und läuft super.

Es kann und es wird immer etwas kaputt gehen.
Auf Grund des Alters härten auch Dichtungen wie die Ventildeckeldichtung,

oder die Dichtung des Öleinfülldeckels (710er Deckel :-)),

oder Teile der Kurbelwellengehäuseentlüftung aus,

und verursachen Probleme.

Wenn ich nun länger mit dem Polo unterwegs bin, hab ich eine Kiste mit Ersatzteilen im Kofferraum.
Angefangen mit Sicherungen aller verbauten Werte, Relais jeden vebauten Typs, diverse Sensoren und Fühler, eine neue NOS Drosselklappe, einen neuen Zündverteiler, einen neuen Zündtrafo, neue Zündkerzen und -leitungen, einen neuen Thermostat mit Flansch (mit dieser Brücke an der der Thermostat sich aufdrückt), mein VAG 1552 und das dafür benötigte Werkzeug.


Kraftstoffverbrauch

Der Polo wurde in den
30 Jahren und
255940 km in
704 Tankvorgängen (Tankstelle sowie aus Benzinkanister) mit
20463,11 Litern Kraftstoff für
25752,54 € betankt (DM zu € mit amtlichem Wechselkurs berechnet).
Anfangs ROZ 91 („Normal“), dann überwiegend ROZ 95 („Super“) E5, im Ausland auch mal ROZ 97, 98 und darüber, weil dort ROZ 95 teilweise nur als E10 verfügbar ist, er soll möglichst kein E10 bekommen.

Alles nur Durchschnitt.
Der Gesamtdurchschnittsverbrauch* der 255940 km liegt bei 7,995 Litern auf 100 km.
Die reinen Kraftstoffkosten pro 100 km liegen bei 10,06 Euro, das sind 10 Cent pro km.
Wie gesagt alles Durchschnitt, auf den ersten Rechnungen von 1996 steht noch 1,639 DM/Liter, was umgerechnet 83 Cent entspricht.
Letztens habe ich noch für 2,72 €/Liter getankt, was umgerechnet 5,32 DM entspricht.
Früher war das Fahren eben günstiger, und es hat deswegen schon mehr Spaß gemacht.

*Dazu muss erwähnt werden, dass der Polo seit 2017 (1/3 der Zeit) viel Strecke im Anhängerbetrieb mit dem Wohnwagen hinten dran, und einer Gesamtmasse von knapp über 2 Tonnen unterwegs war.
(Polo Leermasse = 1020 kg, Fahrer = 100 kg, + voller Kofferraum und Rückbank, gepackter Wohnwagen = max. 850 kg, volle Dachbox und teilweise Fahrrad neben der Dachbox, da bin ich schnell über 2 Tonnen.)


Abschlusswort

Ich war bei Bestellung/Kauf 19 Jahre alt und frisch ausgelernt.
Seitdem begleitet mich diese damals aktuelle Technik.
Und ich bin wirklich froh darüber, Technik mit Stand von vor Jahrzehnten zu nutzen.
Kein Gepiepe, kein Blinken, kein Gegenziehen am Lenkrad, keine ungewolltes Bremsen wenn ich nicht aufs Bremspedal trete, etc. pp..
Damals Stand der Technik, heute veraltet.

Heute bin ich 49 Jahre alt, mal sehen wie lange ich den Polo noch fahren werde, und wie lange ich mit ihm den Wohnwagen noch durch die Lande ziehen werde.
Es fällt schwer mir vorzustellen, mit 60 und darüber noch diesen kleinen Wagen zu fahren.
Schaut man sich die aktuelle Preisentwicklung an den Tankstellen an, so fällt es mir noch schwerer.
Wie das wird, den Wagen abzugeben, wage ich nicht mir vorzustellen.

H-Kennzeichen?
Finanziell lohnt sich das aktuell mit 1,6 Litern bei Euro 2 nicht, da behalte ich lieber mein immer seltener werdendes DIN-Kennzeichen.

Danke für den Besuch dieser Seite.

Teilrestaurierung Alltagspolo 2024

Warnung!
Der hier gezeigte Inhalt kann auf 6N-Fahrer verstörend wirken.
Wenn’s zu schlimm und unerträglich wird, einfach an was schöneres denken, Darmspiegelung, Wurzelbehandlung etc….

Update 25.04.26, Kleine Vorgeschichte.

Das erste Mal dass ich an meinem Alltagspolo mit Rost in Berührung kam, war 2014 beim Besuch einer Werkstatt für etwas ganz anderes, aber da stand er eben auf der Bühne, und der Meister meinte dass ich mir das mal angucken solle.
Rund um diesen einen Stopfen blühte der Rost, der Meister sprühte es mit Unterbodenschutz zu, das war für mich dann ok so. Ich hatte halt keine Ahnung.

Die anderen Stopfen nahm ich alle mal ab, um zu sehen wie es dahinter aussieht.

Hinter den anderen Stopfen war noch alles in Ordnung, so setzte ich die Stopfen wieder ein und erneuerte auch einige Stopfen, und schmierte dann alles mit Dichtmasse zu.

2017 entdeckte ich am Längsträger hinten Links ein riesiges Loch zum Radhaus hin.
Ich hatte davon einfach keine Ahnung, ein Kumpel half mir, und wir beide hielten es für eine gute Idee, das Loch mit selbstklebender Dachpappe zu schließen und mit Unterbodenschutz zu besprühen.
Au mann.

Bei der HU 2018 stand ich dann mit dem Prüfer unterm Polo, jetzt ging es mir richtig schlecht.

Als er mir dann diese Stelle zwischen Vorderachse und dem Längsträger links zeigte, und meinte, dass mir diese Stelle in Zukunft richtig Ärger bereiten wird, bekam ich richtige Hitzewallungen.
Ich bin nicht vom Fach, und habe auch nicht die örtlichen und materiellen Möglichkeiten das alles anzugehen.

Kurz darauf fuhr ich nach Delmehorst zum Marc, der mir helfen wollte, den blühenden Rost am Radlauf hinten links zu beseitigen.

Wir schliffen grob die Stellen blank…

… und Marc begann, mit einfachsten Mitteln zu sandstrahlen.

Danach rollten wir Brantho Korrux 3in1 schwarz darüber, und das wars dann auch erstmal wieder.

2019 bemerkte ich, dass es im Komposter rechts, also im Kotflügel vorne rechts, wo das ganze Wasser aus dem Wasserkasten unter der Winschutzscheibe drüber abläuft, anfängt zu rosten.

2020 fuhr ich wieder nach Delmenhorst zum Marc, in dessen Garage wir den Polo vorne auf hohe Keile fuhren, um den inzwischen wieder blühenden Rost rund um den anfangs gezeigten Stopfen zu beseitigen. Mit einfachsten Mitteln und einem Stück Blech dass bei Marc noch rumflog.
Das ließ der Prüfer bei der HU ein paar Tage vorher noch durchgehen, weil ich ihm diese Reparatur versprach, und auch hielt.

Als ich dann so unterm Polo lag und den restlichen Unterboden inspizierte, kamen die Hitzewallungen wieder. Ich habe schließlich keine Ahnung von der Materie.

2022 hielt die fünf Jahre zuvor angebrachte Dachpappe auch nicht mehr so wirklich am Radhaus. Ein Kollege hatte noch etwas dünnes verzinktes Stahlblech, und so tauschten wir die Dachpappe gegen dünnes verzinktes Stahlblech aus. Au Backe.

Hauptartikel 04.02.26, Teilrestaurierung.

Winter/Frühling/Sommer 2024.

2023. Mein Alltagspolo wird dieses Jahr 26 Jahre alt, und aus den vergangenen Jahren, siehe oben, ist mir bekannt, dass ich mich so langsam auch mal richtig um die nicht immer sichtbaren Teile kümmern muss. Das hatte ich bisher erfolgreich vor mir hergeschoben und nur das nötigste gemacht, und das alles andere als richtig.
Nächstes Jahr im Sommer ist die 13te Hauptuntersuchung, und ich spürte, die würde er, ohne dass ich am Polo richtig was mache, nicht bestehen.
So tat ich was völlig bescheuertes, wo ich im Nachhinein froh bin, es getan zu haben.
Ich gab den Polo in die Nachbarstadt zum Eisstrahlen von unten, um eine Bestandsaufnahme zu machen, ob er löchrig ist, bzw. wie löchrig er ist.
Und das eine Woche vor meinem Urlaub mit dem anderen Polo und dem Wohnwagen in England und Wales.
Nachdem der Eisstrahlmensch sein Gerät ansetzte, dauerte es nicht lange, und er hörte auf damit, um mich herbei zu rufen.
Ich mit einem Schrauberkumpel als psychischen Beistand hin… uns fiel beiden die Kinnlade runter.
Was sich da für Löcher unter dem Schmutz und dem ausgehärteten und bröckelnden Unterbodenschutz auftaten, war jenseits meiner schlimmsten Albträume.
Nichtsdestotrotz ließ ich die Arbeiten komplett beenden, um den gesamten Unterboden, sowie die Radhäuser freizulegen.
Dann fuhr ich den Polo nach Hause, stellte ihn in die Garage, und bereitete mich auf meinen Urlaub vor, mit der Gewissheit dass bis nächstes Jahr im Sommer etwas mit dem Polo geschehen muss, ich mich kümmern muss.

Jetzt ist es so, dass wenn man bei Kleinanzeigen oft genug nach etwas wie „Schrauberhalle“ sucht, man es irgendwann öfters automatisch vorgeschlagen bekommt.
Ich saß kurze Zeit später in meinem Liegestuhl auf dem Campingplatz in Oxford, als ich einen Vorschlag zu einem Angebot „Schrauberhallenbeteiligung, Hebebühne, Schweißgerät vorhanden“ (so in etwa) angezeigt bekam.
Nach kurzer Bewerbungs- und Vorstellungsphase, konnte ich recht schnell meine Plörren in zwei für mich leer geräumte Regale einräumen, und erstmal andere Kleinigkeiten an anderen Familienautos und diverse Sachen an der Halle (Elektrik gerade ziehen) erledigen, bis ich mich endlich Anfang 2024 nur auf den Alltagspolo konzentrieren konnte.
Das ganze in einer Halle, in der ich zwischen Schrottteilen, Leergutflaschen und anderem Müll stand und stolperte, und der Vermieter mir ständig zusicherte, aufzuräumen und dann Ordnung zu halten. Von den fußgroßen Ratten, die man öfters beim Querflitzen durch das Gebäude antraf, ganz zu schweigen.

Erstmal wollte ich das offensichtliche am Schweller der Fahrerseite beheben.
Außerdem wollte ich in diesem Zuge die linke hintere Tür gegen eine in besserem Zustand in Wagenfarbe aus dem Keller tauschen.
Keine Ahnung wie man das angeht, ich bin gelernter Elektromechaniker, Metallbearbeitung ist mir bekannt, aber das hier habe ich nicht gelernt.
Einfach machen, es solle ja nicht aussehen als käme der Polo aus der Lackiererei, Hauptsache der Rost ist gestoppt. Der Polo wird dieses Jahr 27 Jahre alt und es ist mein Daily, da dürfen Patina und sichtbare Ausbesserungen ruhig dran sein.

Also erstmal mit der Drahtbürste auf dem kleinen Winkelschleifer den Rost weitestgehend entfernt, dann Brunox epoxy drüber.

Vom Spachteln und Schleifen habe ich ebenfalls Null Ahnung (und noch weniger Bock), ich wollte das direkt in LN5Y und anschließend mit Klarlack duschen.
Ich hatte noch zwei Dosen originalen (lösemittelhaltigen) VW/Audi Lack davon, in der Halle stand ein Kompressor, und ich hatte noch das Lackierzubehör mit dem mein Vater Ende der 1980er Jahre auf dem Garagenhof seine T3 Caravelle teillackierte.

Das wurde natürlich nicht glatt, und der neue Lack wirkt anders als der originale verblasste Lack.
Für mich ausreichend.

Nun ging’s ans eingemachte. Kontaktkorrosion beim Aluminiumblech.

Ich bezweifle dass ich so die HU bestanden hätte.
Das zu sehen schmerzt.

Dass die Achse raus muss war mir von Anfang an klar. Abgelegt auf einem kleinen Hocker, dann die Bühne hochgefahren.

Je mehr man guckt, umso mehr findet man.

Ich entschied mich dazu, auch den Tank komplett zu entfernen, ich verabschiedete mich ab jetzt auch immer mehr davon, dass das eine schnelle Nummer wird. Die Halle hatte ich ja unbefristet untergemietet…

Die Kraftstoffpumpe der Standheizung am 2008 selbst gebauten Halter.


In meiner Naivität kratzte ich erst nur mit einem Stechbeitel auf kleinen Flächen den teilweise noch gut aussehenden Unterbodenschutz weg, um immer mehr feststellen zu müssen, dass Wasser und Rost sich auch unter dem gut aussehenden Unterbodenschutz ihre Wege bilden.
Schnell wechselte ich auch hier zur Drahtbürste auf dem kleinen Winkelschleifer.

Das Alublech klebte ich ca. 10 Jahre zuvor da drauf.

Diese aufgepunkteten Bolzen auf Stahlblech aus dem Internet konnte ich später super gebrauchen.

Der Halter für den Tankstutzen, eine Blechschraube wollte drin bleiben.

Kein Wunder dass da Rost ist, wenn der Unterbodenschutz im Radinnenhaus hart und brüchig ist und das Spritzwasser überall hin kommt.

Überall wo ein Bolzen wie hier aus dem Unterbodenschutz heraussteht, ist es für Feuchtigkeit ein einfaches einzudringen.

2mm Stahlblech von mir selber 3D gedengelt wie vom Metallbauer. 🙂

Und mit einem kleinen 125mm Winkelschleifer und 1mm Trennscheiben kann ich ganz gut und exakt schneiden.

Den Tankstutzenhalter auszubauen war alternativlos.

Wenn man mit einer schnell rotierenden Drahtbürste Unterbodenschutz entfernt, wird dieser auch warm und bildet solche Fäden.
So vergingen Nachmittage nach der Arbeit und ganze Wochenenden.

Für runde Löcher besorgte ich mir Ronden aus Stahlblech in den richtigen Blechstärken, besser als stundenlang selber Blechstücke rund zu machen.
Ich wollte im Zuge der Teilrestaurierung auch alle, nach der Produktion nicht mehr benötigten Löcher, schließen.


1mm Stahlblech.

Der Gewindebolzen für die Befestigung des hinteren Radhausinnenkotflügels.

Das grüne ist alles Brantho-Korrux Nitrofest.

Das lilafarbene ist alles Brunox epoxy. Da wo es dunkler wird, wandelt es den Rost um und versiegelt alles unter einer Schicht epoxy. Oder so.

Für jemanden der das nicht gelernt hat, finde ich, sind die eingesetzten Bleche recht gut gelungen.

Danach begann ich mit Sikaflex 221 alles abzudichten. Erst direkt aus der Kartusche, anschließend mit einem kleinen Pinsel verstrichen.

Die Hoffnungen auf Ordnung in der Halle schwanden Tag für Tag immer mehr.
Irgendwann machte ich mir Gedanken ob ich da wirklich dauerhaft bleiben will, oder ob ich nach dieser Sache meine Plörren nehme und abzische.

Ich kam recht günstig an Restbestände von noch haltbarem Brantho Korrux 3in1 in grau und in gelb.
Da entschied ich mich dazu, als erste Schicht alles gelb zu machen, als letzte Schicht dann grau bei Teilen wie die Bleche am Tank, sowie schwarz bei der Karosserie.
Vorteil, wenn ich Steinschläge habe, sehe ich das sofort am durch die Beschädigung leuchtenden Gelbton.

Beim Anblick des Vorderbaus, entschied ich mich nun auch dazu, diesen mit zu „restaurieren“.
Die Achse abzubekommen war schwerer als gedacht, denn eine Käfigmutter drehte durch bzw. sich mit beim Drehen der Befestigungsschraube. Diese hatte 27 Jahre Zeit festzugammeln.

Einen alten Bohrer durchs Ablaufloch gesteckt, konnte die Käfigmutter festhalten.

Diese Sachen hätten mich auch die HU gekostet, also goldrichtig vorne auch dran zu gehen.

Zwischendurch trotz Urlaubs kurz in die Firma gefahren zum Sandstrahlen kleinerer Teile.

Zwei der vier Schrauben, die die Achse am Vorderbau halten. Die linke war in der Käfigmutter festgegammelt.

Nun fasste ich den Entschluss auch vorne alles neu zu machen.

Die Trennstelle Lenkstange zur Lenkung.

Nach dem ersten Durchgang mit dem gelben Brantho Korrux konnte ich sehen wie es an einigen Stellen nicht 100%ig deckte. Daher hatte ich ab hier alles 2 x gelb gestrichen, danach war alles gedeckt. Hier Bilder nach dem ersten Durchgang.
Das ist alles reine Fleißarbeit.

Weil ich durch Zufall übers Internet an originale NOS Teile kommen konnte, nutzte ich dieses Angebot, und bestellte für beide Polos neue/NOS Anlasser, Lichtmaschinen (90A), Servopumpen und diverse andere Teile.
Der Anlasser war wirklich original neu, kein aufgearbeitetes Teil.
Manchmal muss man Glück haben.

Der Tank bekam auch eine ausführliche Reinigung.

Der Kraftstofffilter ab Werk wurde erneuert.

Die 2008 bei Einbau der Standheizung ausgebaute originale Kraftstoffpumpe kam, wegen geringerer Laufleistung, wieder in den Polo. Von der damals vom Schlachtfahrzeug mit übernommenen Kraftstoffpumpe demontierte ich das dünne Ansaugröhrchen, und montierte es in die originale Kraftstoffpumpe.


SIFF AHOI !!!

Die beiden neuen/NOS 90A Lima’s für beide Polos.

Direkt eine Sammelbestellung getätigt.

Ne das muss alles neu, sonst wäre das eine der nächsten Baustellen.

Eine versteckte und mir unbekannte Nummer auf dem Längsträger vorne links.
Inzwischen nutze ich auch neben der Drahtbürste auf Winkelschleifer einen Bandschleifer für Einhandbedienung.

Auch hier wieder alles abgedichtet.

Eine Dreckshalle, inzwischen hatte ich mich dazu entschlossen, nach dieser Sache mit dem Polo, die Halle aufzugeben.
Das ganze bis Ende August, bis dahin sollte er fertig und mit neuer HU versehen sein.

Jetzt ging es los mit Brantho Korrux 3in1 in schwarz, auch mindestens zwei Schichten übereinander, denn nach einer Schicht schien der Gelbton noch minimal durch.

Zwei von vier Stopfen, die ich nur erneuert hatte, statt deren Löcher zu zu schweißen.

Nicht überall war Rost, so wurde es 1997 in Pamplona Spanien ausgeliefert.

Die anderen beiden der oben erwähnten vier Stopfen.

Die brachen beim Ausbau weg wie Knäckebrot.

Die runden und wirklich sehr stabilen Verstärkungsbleche für korrodierte Löcher im Alublech gibt’s im Internet.

Was auch Aufmerksamkeit brauchte, waren die Bremsleitungen.

Der Halter für den Tankstutzen wurde wieder angeschweißt und versiegelt.

Die Antriebswellen waren nun auch dran.

Vieles was neu musste weil vergammelt.

Nach der Brunox epoxy Behandlung nutzte ich einen Acryllack für die Antriebswellen, dieser ist sehr widerstandsfähig.

Die Achsschenkel/Radlagergehäuse wurden auch komplett überarbeitet.

Die Achse wurde gesandstrahlt, wo der originale Lack beim Strahlen hielt, durfte er nun auch drauf bleiben. Auch hier kam anschließend der schwarze Acryllack drauf und hinein.

Neue Radlager dank hydraulischer Presse eines netten Hallennachbarn.

Manchmal sind ausrangierte Teile doch noch nützlich.

Ebenfalls widmete ich mich der Servolenkung.

Brunox epoxy und danach der schwarze Acryllack.

Servopumpe alt und neu/NOS. Die Riemenscheibe musste ich übernehmen.

Inzwischen waren alle Bremsleitungen entrostet und mehrfach neu lackiert, und wurden dann endlich fertig verbaut.

Ich habe die guten alten Rep.-Leitfäden auf Papier noch im Keller gefunden, zum Glück kann ich schlecht was wegschmeißen.


Jetzt gings ans Lackieren.
Vollschutz angezogen, also der Polo und ich, alles schön vorbereitet um den lösemittelbasierten LN5Y Originallack aufzutragen, was auch recht gut gelang.
Irgendwer sagte mir dass man auf Brantho Korrux 3in1 direkt lackieren kann, man es quasi als Grundierung und Füller nutzen kann.

Das Lackieren funktionierte super.
Das mit dem direkt auf Brantho Korrux 3in1 zu lackieren mag ja stimmen, aber ich hatte nicht bedacht, dass mein LN5Y Lack lösemittelbasiert ist, die Lösemittel also das Brantho Korrux angreifen, und diesen so reagieren lassen.

Also alles wieder komplett runter da wo es hinterher blau sein soll, ich besorg mir dafür was anderes als Grundierung.

Die Längsträger bekamen eine neue Schicht Wachs.
Die Kotflügel ebenfalls. Ich hatte mir eine Dose Brantho Korrux 3in1 in einer Farbe bestellt, die sehr ähnlich der Farbe des Polos ist, damit konnte ich einige sichtbare Stellen ausbessern, wo es sich nicht lohnt zu lackieren.

Dann wurden die Kotflügel montiert und innen vervollständigt.

Zweiter Versuch mit einer anderen Grundierung mit Füller.

Das lief schon besser.

Das Auspuffhitzeschutzblech am Tank wurde 2 x mit grauem Brantho Korrux 3in1 lackiert.

Die Schraube am Halter des Tankstutzens muss Fahrzeugmassepotential haben, damit es beim Tanken nicht zu einem Funken durch statische Aufladung kommen kann.

Weiter geht’s mit dem Zusammenbau.

Die alte Achse war knusprig wie ein Crossaint, bei ebay fand ich einen Anbieter aus Polen, der Achsen verschiedenster Fahrzeugtypen überholt, sandstrahlt und neu lackiert.

Da ist wirklich sehr dick Lack drauf, nur weil ich nicht weiß was für ein Lack, wollte ich auf Nummer sicher gehen, und schliff den Lack mit Schleifvlies an. Nachher tauchte ich die Achse ebenfalls in schwarzen Acryllack wie die Vorderachse und die Antriebswellen.

Die taugte nur noch für den Schrott.

Von der Hinterachsbremse wollte ich die Trommeln selber noch weiter verwenden.

Die Achszapfen, die Bremshauptbleche sowie die Trommeln wurden gesandstrahlt.

Der schwarze Acryllack kam auch auf den äußeren Rand der Trommeln.

Die beiden Bremsleitungen für die Hinterachse wurden komplett mit Schleifvlies blank gemacht, und hinterher auch mehrfach gestrichen. Ebenfalls kam der Acryllack in der Trommelbremse wieder zum Einsatz.

Tschö Hinterachse, danke für die letzten 26 Jahre.

Er wird immer kompletter.

Viel Wachs aus der Spraydose wurde in die noch so kleinsten Lücken und Ritzen gesprüht.

Da ich mit dem Bremsenentlüftungsgerät Pech hatte, musste ich noch mehr Bremsflüssigkeit kaufen.
Und da über viele Wochen das Bremssystem mit dem ABS Block leer gelaufen ist, musste ich mit Hilfe eines Schrauberkumpels das ABS mit Hilfe von VCDS sehr aufwendig entlüften.
Ich saß hinterm Lenkrad oben auf der Bühne mit dem Laptop auf dem Schoß, mein Kumpel sprang unterm Polo mit dem Schraubenschlüssel und Bremsflüssigkeitsauffangbehälter ständig hin und her, ich musste auf die Bremse treten wenn VCDS mir das sagte.
Am Ende hats das wirklich gebracht, und die Bremswirkung ist wieder voll da.

Die vier Stellen, auf denen der Polo auf den Hebebühnenarmen stand, wurden nun nachgeholt:
Abdichtung, Brantho Korrux 3in1 2 x gelb, dann 2 x schwarz.

Dann leerte ich weitere Dosen Wachs in den von unten zugänglichen Hohlräumen und diversen Ritzen und Lücken, ebenso bekamen die Bremsleitungen nach hinten eine Wachsbehandlung.

Da mir auffiel, dass die Manschette vom Schaltseilzug zum Getriebe hin gerissen war, und Ersatz nicht lieferbar ist, bestellte ich im Internet aus flexiblem Kunststoff 3D gedruckte Manschetten, eine für jetzt, die andere für den anderen Polo für den Fall der Fälle.
Der Gummiball war im normalen Ersatzteilhandel erhältlich.

Ja das funktioniert. Aber das Schaltgestänge war dadurch wirklich sehr schwergängig.
Kurze Zeit später kam ich über Kleinanzeigen an eine gebrauchte originale Manschette aus Gummi, die kam dann da drauf, und das Schalten ging wieder normal.
Ich kann da aus eigener Erfahrung leider nur von abraten.

Wenn man eine Anhängerkupplung hat, dann hängt der ESD hinten etwas tiefer.
Da muss man dann alle Aufhängungen ab MSD anpassen. Sobald die Auspuffanlage heiß war, klapperte sie. Etwas vom Halter weggenommen, das half.

Und zu guter Letzt bekam ich vom TT die Wagenheberaufnahmen.

Mitte August war ich mit dem Polo fertig, mit bestandener HU.
Ein paar Tage später füllte ich mit meinen Plörren aus der Werkstatt einen kompletten Ford Transit, Schlüsselrückgabe, fertig aus.
Genug aufgeregt über ständig neuen rumfliegenden Müll und Schrott, umherlaufende Ratten und eine Toilette wie im Film „Desperado“.
Thema Poloteilrestaurierung und Schrauberhalle hinter mich gebracht, schade wenn man sich ne Halle teilt, und der andere zwar nen netter Typ ist, aber ne Pottsau. Dann lieber keine Halle und keine Aufregung.

Kosten der ganzen Schose vom Eisstrahlen bis HU… ne lieber nicht.

Vom Begriff Restaurierung möchte ich mich etwas distanzieren.
Anfangsidee war dass er nochmal TÜV bekommt und dann noch ein paar Jahre weiter gefahren werden kann.
Ich wollte ihm 10 bis 15 Jahre schenken, nicht in Neuzustand versetzen,
Ich bin Bj. 76, das heißt ich werde dieses Jahr 50 Jahre alt, der Polo soll nur noch ein paar Jahre seinen Dienst versehen.
Ich glaube nicht, dass ich in 10 bis 15 Jahren noch Polo fahren werde.

Der Polo ist tot, die Leiche muss weg

Februar 2004.

Ein guter Polokollege Eine mir völlig fremde Person hatte Ende 2003 seinen Polo 16V Umbau geschrottet.
Was tun wenn er nicht mehr durch SMART-Repair zu reparieren ist?
Klar, in Würfel zerlegen und ab in den Schrott.
Es soll tierisch gestunken haben beim Durchflexen der Windschutzscheibe, wurde mir erzählt.

Die Leichenfledderer ließen nicht lange auf sich warten.
Naja ich war ja selber solch ein Aasgeier.

As Time goes by

November 2017.

Wie es der Titel schon sagt, die Zeit läuft.
Alles altert, vieles geht alleine schon auf Grund des Alters in die Binsen.
In der elektronischen Bucht kaufte ich eine „neues“ bzw. ungebrauchtes Votex 2-Wege Lautsprecherset für den Polo 6N1 aus den 90er Jahren, um meine persönliche Ersatzteilsituation rarer Teile für meine Polos zu verbessern.
Auf den Bildern sah alles sehr gut und unbeschädigt aus.
Mir fielen die Augäpfel aus den Augenhöhlen als ich das Paket öffnete.
Der Verkäufer sendete mir statt des Geldes lieber weitere Bilder auf denen die Unversehrtheit der Teile zu sehen ist.
Man muss die Teile nur leicht berühren, und sie zerfallen.
Der Transport hatte seinen Anteil an dem Schaden.
Mal sehen was als nächstes zerfällt, dabei halte ich selber alle meine Teile in einem dunklen, kühlen und trockenen Keller.

Schade um die schönen Teile.

Reparatur Webasto Standheizung

Dezember 2017.

Nachdem die vor neun Jahren von mir selbst verbaute Webasto Thermo Top E Standheizung immer zuverlässig ihren Dienst verrichtet hatte, ging sie nun kaputt.
Natürlich zum Winteranfang hin, nicht im Sommer oder so, dabei hatte ich sie extra jeden Monat einmal durchlaufen lassen.
Da ich außer vom Einbau nicht wirklich Ahnung von der genauen Funktionsweise einer Standheizung hatte, musste ich mich erstmal schlau machen und mich belesen.
Dabei kam u.a. heraus dass sie diagnosefähig ist, und das mit einem einfachen KKL-Diagnoseadapter wie ich es früher für VAGCom nutzte.
Das Ende der Diagnoseleitung hatte ich beim Einbau nur in den Kabelbaum zurück geschoben.
Rausgezogen, Kabelschuh dran und mit einer Diagnosebuchse aus einem alten Polo und zwei Krokodilklemmen einen Adapter zum Auslesen der Webasto Standheizung mit meinem Lappi gebaut. Bei ebay geht’s bei ca. 30 Euro los für solche Diagnoseadapter an einem Ende mit drei Strippen mit Krokodilklemmen für Plus, Minus und Diagnose, am anderen Ende ein USB Stecker, plus Diagnosesoftware von Webasto.

Beim Auslesen kam unter anderem heraus dass die Betriebsdauer 789 Stunden, und die Einschaltdauer 986 Stunden beträgt. Es wurden 2638 Starts gezählt.

Noch viel wichtiger sind die Fehler von meinen drei dokumentierten Startversuchen: „Flammabbruch“, „kein Start“ und „Flammabbruch“.

Das nutzte mir nicht wirklich viel, obwohl ich mit dem Diagnoseprogramm alle Bauteile wie Dosierpumpe, Brennluftgebläse und Kühlmittelpumpe einzeln laufen lassen, und somit einzeln testen konnte.
Da das Diagnoseprogramm mir zwar das Pumpen der Kraftstoff Dosierpumpe angezeigt hatte, ich aber wirklich sicher gehen wollte dass auch wirklich Kraftstoff am Ende der Kraftstoffleitung heraus kommt, gab ich manuell mehrfach kurze 12V Impulse auf die Dosierpumpe.
Nach vier bis fünf kurzen Impulsen konnte ich kein normales Klicken (das Betriebsgeräusch) mehr von ihr vernehmen…. was mir erstmal zu denken gab.
Also raus mit der Standheizung aus dem Polo.
Ich baute die Webasto samt der Wasserleitungen zum Wärmetauscher und zum Kühlwasserverteilergehäuse aus, dort kam wieder der originale Wasserschlauch rein statt des Webasto Kühlmittelkreislaufs.

Der Brennereinsatz und der Glühstift, der nach dem Start auch der Flammwächter ist.
Den Glühstift/Flammwächter konnte ich elektrisch prüfen, er war in Ordnung.

Der Brennereinsatz, man kann sehen wo vor dem Ausbau der Glühstift/Flammwächter saß, und die Brennkammer, in der der Brenneinsatz das gute ROZ95 Superbenzin mit Luft verbrennt.
Außen um die Brennkammer herum fließt, von der Webasto Kühlmittelpumpe gefördert, das Motorkühlwasser.

Beim Ausbau brach eine Befestigungsschraube ab.
Da es in das Metall selbst einschneidende Schrauben sind, bohrte ich alle vier Befestigungslöcher auf, und machte M8er Gewindesacklöcher aus ihnen.

Wieder gab ich bei ausgebauter Standheizung manuell mehrfach kurze 12V Impulse auf die Kraftstoff Dosierpumpe. Mit offenem Leitungsende hörte ich jedes Mal ein Klicken und vorne kam einige Tropfen Kraftstoff heraus, egal wie oft ich einen Impuls drauf gab.
Als ein Kollege das Leitungsende verschlossen hielt, hörte ich das Klicken wieder nur vier bis fünf Mal.
Also demontierte ich den Teil für die Kraftstoffzufuhr vom Brennereinsatz. Da dieses so nicht vorgesehen ist, weil der Brennereinsatz ein einziges Ersatzteil ist, musste eine Säge ran.

Das gelb versotette ist ein ca. 4 cm großes, ca. 3 mm dickes Pad aus feiner Edelstahlwolle, und das darunter befindliche Vließ unbekannten Materials ist wohl für die gleichmäßige Verteilung des Kraftstoffs zum Edelstahlpad zuständig. Durch das Vlies und das Edelstahlpad wird der Kraftstoff dann von der Dosierpumpe in kleinen Impulsen (laut Diagnoseporgramm bis zu fünf mal pro Sekunde) in die Brennkammer gedrückt, wo es mit angesaugter Luft im vorderen Teil des Brenneinsatzes verbrannt wird und durch die Brennkammer in den Auspuff gelangt.
Ich konnte auch selber keine Luft mit dem Mund in das Kraftstoffröhrchen pusten, es schien verstopft zu sein.

Und genau so war es, das Vlies direkt hinter dem Kraftstoffzugang war komplett ausgehärtet und angebacken. Ich musste es regelrecht wegkratzen. Die Kraftstoffzufuhr war also definitiv verstopft gewesen, so sehr dass ich mit dem Bohrer ran musste. Jetzt ergaben die manuellen Tests mit der Dosierpumpe auch einen Sinn, irgendwie erschien mir plötzlich alles nur logisch.
Dieses Pad und das Vlies gibt es leider so nicht als Einzelteil bei Webasto, es gibt zwar sowas bei ebay England von einer Firma für 40 Euro, aber mit dem Hinweis „Diesel only“ und dem Hinweis dass es kein Original Webasto Ersatzteil ist. Da ich keine Lust auf Experimente hatte, bestellte ich beim Boschdienst einen neuen Brennereinsatz für 174 Euro (mit Rabatt).

Da ich beim Einbau der Standheizung 2008 dieses zum ersten mal tat, war der Einbau auch nur 99,9 prozentig. Es gab mit der Zeit doch einige, zum Glück nur geringfügige, Scheuerspuren an den Kühlwasserschläuchen. Diese „Fehler“ wollte ich nun auch berichtigen. Dazu hatte ich nun Zeit während ich auf den neuen Brennereinsatz warten musste.
Schrumpfschlauch an allen Stellen ausser da wo die Schläuche auch nur leicht gebogen werden, erschien mir als günstigste und einfachste Lösung. Was fest an den Kühlwasserschläuchen ist, kann nicht an ihnen scheuern.
Die Schlauchschellen zum Verbinden eines Winkelschlauchs mit einem (ehemaligen) 180 Grad Bogen waren mir auch damals schon ein Dorn im Auge. Die Nasen sind einfach nur störend im Weg weil sie an anderen Teilen scheuerten, außerdem sehen sie Sch**ße aus.

Kurzerhand flexte ich sie ab, was ihre Funktion nicht beeinträchtigt. Ich habe eh nicht vor diese jemals wieder zu lösen.

Vor dem Gasheizstrahler schrumpfte ich die 50 mm (2:1) Schrumpfschläuche auf die Kühlwasserschläuche mit 27 mm Außendurchmesser.

Der neue Brennereinsatz mit neuem Glühstift/Flammwächter. Zusätzlich waren alle nötigen Dichtungen und Schrauben neu mit dabei.

So sieht ein neues Edelstahlpad zum Zuführen des Kraftstoffs in den Brennereinsatz aus.

Nach dem Zusammenbau und der Montage im Polo, schnell noch mehr als zwei Liter Kühlflüssigkeit aufgefüllt sowie die Kraftstoffleitung und die Stecker angeschlossen, und der erste Probelauf war direkt erfolgreich.

 

Das ganze geschah bei drei Grad Außentemperatur in meiner nicht beheizten Garage.
Am Folgetag kam der erste Schnee, und ich war mehr als froh wieder in einen vorgeheizten Polo einsteigen zu können.
Es war also nur ein kleines Teil defekt, das Vlies welches ausgehärtet war und die Kraftstoffzufuhr verstopfe.
Materialkosten gesamt: 174,67 Euro für den Brennereinsatz und 12,02 Euro für zwei Meter Schrumpfschlauch. Gewindeschrauben, G12Plus und destilliertes Wasser hatte ich noch in der Garage.